Deutschlands Life Sciences Standort: Fortschritt mit strukturellem Risiko

Deutschland hat in den vergangenen zehn Jahren im Bereich Wagniskapital spürbar aufgeholt. Die VC-Quote ist gestiegen, staatliche Programme wurden ausgeweitet, das Start-up-Ökosystem ist professioneller geworden. Dennoch bleibt eine zentrale Lücke bestehen: das Wachstumskapital, insbesondere für kapitalintensive Biotech-Unternehmen. Diese Lücke ist kein Randphänomen, sondern entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Standortrisiko.

Mehr Wagniskapital, aber am falschen Punkt im Lebenszyklus

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland trotz Fortschritten weiterhin deutlich hinter den USA und dem Vereinigten Königreich. Entscheidend ist dabei weniger die absolute Höhe des investierten Kapitals als dessen Struktur. Der deutsche Markt ist stark frühphasenlastig. Der überwiegende Teil des Kapitals fließt in Seed- und Early-Stage-Finanzierungen, während großvolumige Growth-Fonds unterrepräsentiert bleiben.

Für Biotech-Unternehmen ist das besonders kritisch. Entwicklungszyklen sind lang, regulatorische Anforderungen hoch, und der Kapitalbedarf steigt ab klinischen Phasen deutlich an. Kleine Fonds können diese Finanzierungsrunden nicht tragen. In der Praxis führt das zu Verzögerungen, fragmentierten Cap Tables oder zur Abhängigkeit von ausländischen Lead-Investoren. Wachstum wird damit nicht verhindert, aber strukturell erschwert.

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